Die Geschichte der Lindenauer Kegelbahn
Die Anfänge in Eigeninitiative (1958/59)
In den Jahren 1958 und 1959 bauten die Lindenauer Sportler in Eigeninitiative eine Freiluftkegelbahn. Fast täglich wurde dort unter der Leitung der verdienstvollen Sportfreunde Bernhard Delang und Paul Köckritz gekegelt und Sport getrieben. Diese Anlage wurde zu einem wirklichen Volkssportzentrum.
Die Freiluftkegelbahn vor der Umkleidebaracke entsprach jedoch bald nicht mehr den Anforderungen. Besonders stieg das Interesse der Lindenauer Einwohner an sportlicher Betätigung. Das traf auf ältere Menschen zu und auf solche, die nicht nur Fußballspielen wollten oder konnten.
Eine neue Bahn entsteht (1960)
Damit zeichnete es sich immer mehr ab, eine neue Bahn zu schaffen. Mit einem Startkapital von 1000 Mark aus Privathand, von Bernhard Delang geliehen, wurde nach Genehmigung vom 31. Mai 1960 durch den Rat des Kreises Senftenberg der Bau in Angriff genommen.
Sofort fanden sich viele Unentwegte der Gemeinde und begannen aus dem Nichts heraus mit den ersten Arbeiten. Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Steine wurden aus dem Tagebau geholt und vor Ort abgeputzt. Das notwendige Holz spendeten die Bauern aus ihrem Wald. Zuerst wurde das Gebäude im Rohbau fertig gestellt. Es wurden geschaffen: die eigentliche Bahn, ein Raum für Ausschank von Getränken, ein großer Aufenthalts- und Zuschauerraum und Toiletten für Männer und Frauen.
Große Leistungen vollbrachten damals die Sportfreunde Wilfried Schulze, Günther Hofmann, Wolfgang Heinze, Werner Dietrich, Paul Köckritz, Bernhard Delang, Sefrin Opitz, Horst Heduschka, Heinz Menge, Gerhard Hausdorf, Wolfgang Wiesner und Klaus Köckritz. Der Fleiß und die Einsatzbereitschaft beim Bau der Kegelbahn wurde vom damaligen Bürgermeister Rudolf Heduschka in hervorragender Weise unterstützt. Sämtliche Aufgaben wurden gemeinsam gemeistert und gelöst.
Alle Mühen und Anstrengungen waren dann vergessen, als die erste Kugel auf dem blanken Asphalt geschoben wurde und in feierlicher Form die Einweihung der neuen Kegelbahn stattfand. Eine große Ehrentafel würdigt die damaligen Leistungen der Sportler und verdienstvollen Einwohner. Insgesamt wurden von Sportlern und Einwohnern 2530 Aufbaustunden ohne Bezahlung geleistet.
Sportlicher Aufschwung & Nachwuchsarbeit
Rasch ging es nun zum organisierten Kegelsport über. Noch im Jahre 1962 wurde der Punktspielbetrieb mit einer Männermannschaft in der 2. Kreisklasse aufgenommen. Dass jedoch die Meister nicht gleich vom Himmel fallen, zeigten die damaligen Wettkampfergebnisse von 320 - 330 Punkten auf 100 Kugeln.
Man war sich bereits zu diesem Zeitpunkt im Klaren, dass ein Leistungsschwung nur durch die Förderung der Jugend und des Nachwuchses erreicht werden kann. So war es auch kein Zufall, dass die ersten Titel durch jugendliche Sportler errungen wurden. Wolfgang Heinze war der erste Übungsleiter der Jugend. Solche Kegler wie Rainer Jahn, Heinz Steinberg, Günther Hofmann, Hartmut Schober, Reinhard Förster und andere wurden dreimal hintereinander Mannschafts-Kreismeister und Reinhard Jahn schaffte den Junioren-Kreismeister.
Nun folgten die Jahre der Stabilisierung und der weiteren Leistungsentwicklung. Die 1. Mannschaft stieg in die Kreisliga A auf und die Sektion Kegeln nahm einen festen Platz in der Sportgemeinschaft ein.
Die moderne Automatik-Anlage (1967/68)
Und dann kam der verrückte und einmalige Einfall: "Wir bauen eine neue Kegelbahn mit einer modernen, automatischen Aufsetzanlage". Viele Lindenauer konnten sich bestimmt noch daran erinnern, dass es damals auch eine Reihe von Skeptikern gab. Kaum einer hatte schon einmal eine solche Anlage in Natura gesehen. Man muss schon sagen, ganz schönen Mut hatten in jener Zeit die Unentwegten. Es wurde ein Antrag zur Bereitstellung von Lottomitteln gestellt und los ging es.
Unter der Leitung von Herbert Goltsche – dem geistigen Vater der Anlage – schufen wiederum die Sportler, u.a. Wolfgang Heinze, Heinz Menge, Wilfried Schulze, Alexander Walther, H. Heduschka, Klaus Köckritz, Manfred Hannig, Peter Ort, in den Jahren 1967/68 diese für damalige Verhältnisse bewundernswerte Anlage. Es war die 2. in der DDR gebaute und zugelassene Anlage. Selbst in der Zeit der Funktionsprobe zweifelten noch viele am Gelingen dieser Baumaßnahme.
Die Sportfreunde W. Heinze, Heinz Menge und Wilfried Schulze könnten sich noch gut daran erinnern, dass sie vor dem ersten Wettkampf fast bis zum frühen Morgen bastelten und reparierten, um die erste Bewährungsprobe zu bestehen. Es klappte und sie wurde bestanden! Besonders stolz waren alle, dass die Nationalmannschaft der DDR im Kegeln der Frauen diese neue Anlage getestet hat und sie für gut und schnell befand.
Um die Anlage stabil betreiben zu können, waren noch Jahre des Verbesserns und Änderns notwendig. Ungezählt sind die Stunden, die für Wartung und Pflege aufgebracht wurden. Hierbei waren besonders die Sportfreunde Herbert Goltsche, Alexander Walther, Frank Nicklisch, Peter Ort und Manfred Klemm sehr aktiv und verdienstvoll.
Mit dem Errichten der automatischen Anlage entwickelte sich nicht nur der Leistungssport, sondern auch der Volkssport nahm einen bedeutenden Aufschwung. Viele Brigaden der Betriebe rings um Lindenau besuchten die Kegelbahn, um hier Sport zu treiben und um lustig und fröhlich zu sein. Die Lindenauer Bahn hatte einen guten Ruf.
Rekorde & Kunststoffbelag (1989)
Neben der besseren Arbeit mit der Jugend und einer kontinuierlichen Trainingsarbeit gehörte auch die Verbreiterung der Basis dazu. Gehörten der Sektion Kegeln im Jahre 1962 noch 20 Mitglieder an, waren es 1972 schon 42 und 1982 65 Mitglieder. Besondere Verdienste erwarben sich Adolf Ruhland, Heinz Menge, Meinhard Paulo und Lothar Neißer.
In Vorbereitung auf das 40-jährige Bestehen der Sportgemeinschaft wurde die Bahn erneut rekonstruiert und erhielt einen Kunststoffbelag. Die Einweihung erfolgte am 20. Juli 1989. Der Einzelrekord auf dieser neuen Bahn wurde auf 556 Leistungspunkte und der Mannschaftsrekord auf 5968 Leistungspunkte verbessert.
Die große Modernisierung (1996/97)
Im Jahre 1996 wurde die Kegelbahn einer umfangreichen Rekonstruktion unterzogen. Es begann damit, dass im Frühjahr 1996 ein Ast das Dach der Kegelbahn durchschlug und auch die Zwischendecke beschädigte. Durch ein großzügiges Darlehen und Spenden vom Sportfreund Alexander Walther konnte mit den umfangreichen Arbeiten begonnen werden.
In der Zeit von April bis zur Einweihung am 13. September 1996 wurde eine neue Aufsetzanlage eingebaut und eine neue Zwischendecke eingezogen. Der Anlaufbereich und der Kunststoff wurden ebenfalls erneuert. Bei dieser Aktion wurden 521 Stunden von 32 Sportfreunden unentgeltlich geleistet, wobei der Sportfreund Jürgen Gerlach mit 204 Stunden einen großen Anteil erbracht hat.
Im Jahre 1997 wurde mit der Neueinrichtung des nur notdürftig reparierten Daches eine umfangreiche Sanierung und Modernisierung des Sozialtraktes begonnen. Erneuerung des Daches, Einbau einer Ölheizung, Bau eines Saunaraumes mit Duschen, Erneuerung der Toiletten, Schaffung eines Lagerraumes und Modernisierung von Küche und Theke. Fast täglich sah man die Sportfreunde Jürgen Gerlach, André Günther, Silvio Neißer, Bernd Gärtner, Carsten Schwarz und viele andere an der Kegelbahn arbeiten. Jedoch ohne die großzügige Unterstützung vom Sportfreund Alexander Walther und der Firma "Heizungsbau Werner Herzog" wäre vieles nicht möglich gewesen.
ELER-Förderung und umfangreiche Modernisierung (2017)
Im Rahmen der Förderung mit EU-Mitteln durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) konnte unser Verein im Herbst 2017 die Attraktivität unserer Sportgaststätte mit Kegelbahn erheblich verbessern. Die Zuwendung (45% der Gesamtinvestitionssumme) dieser Bauvorhaben setzen sich aus ELER- und Landesmitteln zusammen.
Konkret umfasste das ambitionierte Förderprojekt drei große bauliche Meilensteine, die unsere Einrichtung barrierefreier, moderner und wirtschaftlicher für die Zukunft aufstellten:
- Erneuerung der Kegellauffläche: Komplette Sanierung der Bahnen zur Mängelbeseitigung und für weiterhin normgerechte Wettkampfbedingungen.
- Einbau einer modernen Einbauküche: Um die gastronomische Versorgung bei Veranstaltungen zu steigern und die Verarbeitung regionaler Produkte zu ermöglichen.
- Schaffung eines barrierefreien Zugangs: Damit unsere Anlage und die Sportgaststätte endlich für alle Menschen, Senioren und Rollstuhlfahrer problemlos zugänglich ist.
Impressionen der Bauarbeiten 2017
Sanierung der Kegellauffläche (Teil 1)
Sanierung der Kegellauffläche (Teil 2)
Montage der neuen Gaststätten-Küche
Die fertige, moderne Einbauküche
Arbeiten am rollstuhlgerechten Zugang
Der fertiggestellte, barrierefreie Eingangsbereich
Ein Blick in die Zukunft: Das neue Sportlerheim
Die Modernisierungen der letzten Jahrzehnte haben unsere Kegelbahn am Leben erhalten und stetig verbessert. Doch mit dem Startschuss für unser gewaltiges Bauprojekt „Neues Sportlerheim“ steht nun das nächste, historische Kapitel für unsere Abteilung an.
Im Zuge dieses Neubaus wird auch unsere altehrwürdige Anlage weichen und einer komplett neu erbauten, hochmodernen Kegelbahn Platz machen. Wir blicken voller Vorfreude auf dieses Projekt, das den Kegelsport in Lindenau für die nächsten Generationen sichern wird.